Verheerendes Hochwasser im Bezirk Zwettl

Am Mittwoch, 7. August 2002 um 2 Uhr früh sind nach heftigen Regenfällen bereits einige Feuerwehren im Bezirk im Einsatz.

Bis in die Abendstunden sind alle Feuerwehren des Bezirks mit ca. 1200 Feuerwehrmitgliedern im Einsatz. Auch von der Kaserne Mautern sind bereits 40 Mann zur Verstärkung angerückt.

Haupteinsatzgebiet ist die Stadt Zwettl, aber auch in Groß Gerungs, Jagenbach, Dorf Rosenau, Schwarzenau und in vielen anderen Gemeinden kämpfen die Mannschaften gegen das Wasser. Zwettl ist in den Abendstunden auf der Straße nicht mehr erreichbar, sämtliche Zufahrtsstraßen sind gesperrt, eine Durchfahrt ist unmöglich.


Die ersten Überschwemmungen traten in Oberhof auf
Foto SC-Zwettl

Haben sich die Arbeiten in Zwettl am Nachmittag des Mittwoch noch auf Sandsäcke füllen und Barrieren errichten konzentriert, so beschränken sich die Einsätze in den Nachtstunden vor allem auf Menschenrettungen, Sicherungsmaßnahmen und Häuser ausräumen. Im Ortsteil Oberhof konnten von den Einsatzkräften noch 12 abgestellte Pkw vor den Fluten gerettet werden. Die Einsatzkräfte waren jedoch verwundert, als sie von den Besitzern der Fahrzeuge, welche kurz darauf mit dem Wieselbus ankamen, nicht einmal ein Dankeschön ernteten.

Aufgrund des rasch steigenden Pegels der Flüsse Kamp und vor allem Zwettl müssen nach und nach Sandsackbarrieren vor Häusern (z.B.: Parkgarage, Kino usw.) aufgegeben  und die Häuser den Wassermassen überlassen werden. In den Nachtstunden wird im gesamten Stadtgebiet auch noch Strom und Gas abgestellt. Um Mitternacht ist der höchste Pegelstand erreicht. In der Einsatzzentrale der Feuerwehr haben die Diensthabenden alle Hände voll zu tun. Im Halbminutenrhythmus gehen hier Notrufe ein, die hier nach Dringlichkeit bewertet und weitergeleitet werden. In dieser Nacht wurden in Zwettl 69 Menschenrettungen durchgeführt.

Noch in der Nacht rücken Einheiten des Katastrophenhilfsdienstes der NÖ Feuerwehren aus Hollabrunn und Lilienfeld zur Ablösung bzw. Unterstützung der örtlichen Einsatzkräfte ab. 

Um 5 Uhr Früh trifft der Katastrophenhilfsdienst aus Lilienfeld mit 17 Fahrzeugen und 81 Feuerwehrmitgliedern ein, bereits auf der Zufahrt wurden die Kräfte so dirigiert, dass sie richtig zum Einsatzort kamen, da eine Querung in Zwettl noch immer nicht möglich war. Nur eine halbe Stunde später traf auch der Katastrophendienst aus Hollabrun mit 26 Fahrzeugen und 123 Mann ein, welcher einen Umweg über Schwarzenau und Sallingstadt machen musste, um an seinen Einsatzort zu gelangen. Zur Einweisung der Einsatzkräfte musste Zwettls Katastrophenhilfskommandant Hugo Hammerl über die Bahnbrücke zu den Einheiten gelangen. Um ca. 5 Uhr wurde der Feuerwehr-Unterabschnitt Pölla alarmiert, da die Thurnbergbrücke bei Wegscheid an der B32 eingestürzt ist. Die Katastrophenhilfseinheiten werden zum Auspumpen und Ausräumen der Häuser in Zwettl eingeteilt. Zu diesem Zeitpunkt ist der Pegelstand wiederum zurückgegangen, sodass an den meisten Orten auch mit Aufräumungsarbeiten begonnen werden kann. Lediglich in der Parkgasse und beim Stadtamt sowie der Parkgarage scheint der Einsatz noch nicht sinnvoll.

Um 9 Uhr rückten 46 Mann mit 10 Fahrzeugen vom Katastrophenhilfsdienst des Bezirkes Scheibbs an. Zu diesem Zeitpunkt waren zwar viele Straßen schon frei von Wasser, jedoch durch Holz und dergleichen stark verunreinigt oder unterspült. Die Gerungserstraße wurde zu diesem Zeitpunkt im Bereich der Hausnummern 10 bis 30 auf ca. 200 Meter gesperrt, die Straße drohte in die Zwettl abzurutschen, darin befindliche Gasleitungen drohten zu platzen.


Die Gerungser Straße in Zwettl drohte abzurutschen

Im Laufe des Tages kamen noch 40 Grundwehrdiener aus der Ostarrichi-Kaserne in Amstetten zum Einsatz. Im Stift Zwettl mussten von den Einsatzkräften 50 Kinder, welche am Tag zuvor von ihrem Zeltlager neben dem Kamp evakuiert wurden, verpflegt werden. Die Feuerwehren wurden auch zur Reinigung von Trafoanlagen eingesetzt, damit der Strom wieder eingeschaltet werden konnte. 

Am Freitag kamen Katastrophendiensteinheiten aus den Bezirken Gänserndorf und Neunkirchen mit insgesamt 300 Feuerwehrmitgliedern und 60 Fahrzeugen zum Einsatz. Auch das Kommando des Truppenübungsplatzes entsandte Kräfte, unter anderem den Brandschutzzug mit 2 Tanklöschfahrzeugen sowie Lkw´s und Bagger. Die örtlichen Feuerwehren waren ebenfalls mit ca. 200 Mitgliedern im Einsatz. 

Am Samstag kam den über 100 örtlichen Kräften die Katastrophenhilfsdienst –Bereitschaft aus dem Bezirk Gmünd mit 110 Mann und 20 Fahrzeugen zu Hilfe. Vom Bundesheer waren am Samstag 200 Mann sowie schweres Gerät wie Bagger, Radlader und dergleichen im Einsatz. 40 Mann davon wurden im Sägewerk in Brand eingesetzt.

Ein „Kick der besonderen Art“ brauchten anscheinend zwei Kajakfahrer, die am Samstag am hochwasserführenden Kamp sich in die Fluten stürzten. Als ob die Einsatzkräfte nicht schon genug Arbeit mit den Aufräumungsarbeiten gehabt hätten, wenn den beiden etwas zugestoßen wäre, hätten die Feuerwehr auch hier helfen müssen.

Ab Freitag beschäftigte ein neues Problem die Einsatzleitung. Viele Öltanks sind geplatzt oder umgekippt und das Öl verunreinigte nun das Wasser und musste entsorgt werden. Insgesamt wurden von Entsorgungsfirmen etwa 400.000 Liter verunreinigtes Wasser abgepumpt und entsorgt. 

Am Sonntag kam Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll in das Katastrophengebiet. Bei einem Lokalaugenschein überzeugte er sich von den Schäden und sprach der betroffenen Bevölkerung Mut zu. Noch vor seiner Abfahrt versicherte er, dass nach der am Dienstag stattfindenden Sondersitzung des Landtages mit den Auszahlungen der Hilfsmittel begonnen wird.

Nachdem der Wetterbericht am Sonntag nichts Gutes verhieß, machten sich die Einsatzkräfte wiederum daran, Sandsackbarrieren zu errichten und Häuser abzudichten.

Und die Meteorologen sollten recht behalten. Am Sonntag einsetzender Regen ließ die Flüsse wiederum derartig anschwellen, dass sie über die Ufer traten. Der Höhepunkt wurde in der Nacht von Montag 12.8. auf Dienstag 13.8. erreicht, wo die Überschwemmung beinahe das Ausmaß der Vorwoche annahm. Die ganzen Arbeiten der Hilfsmannschaften und Bewohner waren umsonst. Am Dienstag, 13.8 liefen die Aufräumungsarbeiten wiederum voll an. Diesmal kam jedoch keine Unterstützung von Katastrophenhilfsdiensten, da auch die Donau bereits Hochwasser führte und viele andere Bezirke ebenfalls schwer betroffen waren. So mussten die 105 Feuerwehren des Bezirken heran, um den Schlamm- und Wassermassen Herr zu werden. Unterstützung erhielten sie von ca. 300 Bundesheerangehörigen, die auch mit schwerem Gerät anrückten.  


Ein Bundesheerbagger im Sierningbach

Während in Zwettl die zweite Flut nicht ganz so hoch wie die erste war (ca. 30 – 40 cm weniger Wasser) so musste in Schwarzenau ein wesentlich höherer Wasserpegel verzeichnet werden. Hier wurde die Bürgerstraße und ein Teil der Bundesstraße überflutet. Die hier eingesetzten Feuerwehrkräfte mussten Häuser abdichten, Personen evakuieren, Häuser ausräumen und am nächsten Tag auspumpen. 


Die Bürgerstraße und der Sportplatz in Schwarzenau überflutet

Viele Freiwillige meldeten sich, wobei die Feuerwehr auch hiefür die Koordination übernahm. Besonders am Feiertag, Donnerstag 15.8. kamen viele Private von nah und fern, um zu helfen. Auch aus der Justizanstalt Wien-Simmering kam ein Bus mit 55 Helfern (großteils Personal und einige Freigänger), um bei den Aufräumungsarbeiten in Zwettl und Stift Zwettl zu helfen.

Auch viele Betriebe sind von den Wassermassen geschädigt worden. Insgesamt 71 Betriebe sind im Bezirk Zwettl Opfer der Hochwasserkatastrophe geworden, alleine im Stadtgebiet Zwettl waren es 39.

Am Sonntag, 18.8. wurden zwei Züge des Zwettler Katastrophenhilfsdienstes in den Bezirk Krems beordert, um hier bei Aufräum- und Auspumparbeiten zu helfen. Der 1. Zug des KHD kam in Sittendorf und Haitzendorf zum Einsatz und musste hier zahlreiche Keller auspumpen. Die Feuerwehrmitglieder waren jedoch auch beim Ausräumen der Wohnungen und Keller behilflich. Der 3. Zug wurde in Spitz / Donau eingesetzt, er unterstützte die örtlichen Einheiten bei der Reinigung der Straßen und Gärten. Insgesamt kamen hier 113 Mann und 20 Fahrzeuge zum Einsatz.

Text: Günther Hammerl, BFK Zwettl


Das von der Überschwemmung betroffene Gebiet in der Stadt Zwettl:


Quelle: Gemeindenachrichten der Stadtgemeinde Zwettl


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